Unschooling Memories #8 – Maths & History

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Als wir diese Woche die Portemonnaies der Mädchen auffüllten, wollten Emma und Luna sichergehen und nachzählen, ob auch beide genau gleich viel Geld erhalten haben
Wahllos hatte ich Luna einige Münzen in die Hand gedrückt und doch kamen wir nach eifrigem Sortieren der Euros und Cents zu einem erstaunlichen Ergebnis. In beiden Geldbörsen befanden sich exakt 3,38 €!
„Was heißt ‚Achtungdreißig‘?“ fragte mich Emma daraufhin. 
„‚Achtunddreißig‘ ist eine Zahl… Acht…und…Dreißig“, sagte ich und hielt erst acht und danach drei Mal zehn Finger hoch. 
„Wie wird das geschrieben?“, fragte Emma. Ich schrieb ihr die Zahl auf einen Zettel. Dann die Zahlen 30 und 8. Dann die passende Anzahl an Strichen, um eine Vorstellung für die Menge zu bekommen.  „Und wie schreibt man 40? Und 20?“
Ich schrieb also die Zehner von 10 bis 90 auf und Emma griff sofort nach dem Stift um sie abzuschreiben. „Das sind ja die Zahlen mit einer Null!“ Feststellungen wie diese lasse ich stets unkommentiert, da ich ihre Erkenntnisse nicht manipulieren und in irgendeine Richtung dirigieren möchte. Dass beide Mädchen bereits unbemerkt mit dem Rechnen begonnen haben, entdeckte ich auf Teneriffa, als ich ihnen erzählte, dass die Kugel selbstgemachtes Eis in unserem Hotel zwei Euro koste. Ich konnte mich nicht zurückhalten und fragte, ob sie wüssten wie viel Geld ich für zwei Kugeln bezahlen müsste. „Vier“, antwortete meine Dreijährige wie aus der Pistole geschossen. 
 
Auch Geschichtliches stand diese Woche hoch im Kurs. Unsere Kinder wissen bereits, dass in Deutschland das Homeschooling verboten ist und hier Kinder nicht die Freiheit besitzen sich ganz nach ihren Bedürfnissen zu Hause selbstständig zu bilden. Mehrmals schon haben die Mädchen uns gefragt, was passiert, wenn sie nicht in die Schule gehen. Schonend habe ich versucht ihnen zu erklären, dass Eltern auf unsanfte Weise dazu gezwungen werden ihre Kinder der Schule „zuzuführen“ und unsere ultimative Lösung in diesem Fall daher das Auswandern sein wird. 
Emma fragte letztens: „Warum ist es gerade hier verboten, warum nicht da, wo wir hingehen werden?“
Nun ja, die Geschichte der Schulpflicht ist lang. Daher beschränkte ich mich auf die drastische Verschärfung des Schulzwangs durch die Nationalsozialisten. Ich erzählte ihr auf einfache Weise von einem sehr bösen Menschen (Adolf Hitler), der vor langer Zeit in unserem Land geherrscht habe. Die Begriffe „herrschen“ und „beherrschen“ sind ihr bereits geläufig, auch dass sie mit Zwang einhergehen und es darum geht einem anderen Menschen vorzuschreiben, wie er zu leben habe. Dass man am einfachsten Kindern etwas vorschreiben kann, leuchtet wohl ein. Dass eine flächendeckende Beschulung zur Indoktrinierung einer gesamten Bevölkerung nur von Vorteil sein kann auch. 
Nach einer Weile zweifelte ich daran, dass Emma noch weitere Informationen aufnehmen könne. Emma bat mich weiterzuerzählen. Also erzählte ich ihr in Kürze von den Nazis, Hitlers Einmärschen in ganz Europa und dem Zweiten Weltkrieg. Sie erfuhr, was Bomben und Krieg sind, und dass Hitler irgendwann tot und der Zweite Weltkrieg beendet war.
„Waren die Nazis dann alle weg?“, fragte mich Emma.
Ich verneinte. Die Menschen, die diesen verrückten Menschen unterstützt hatten, waren, sofern sie nicht umgekommen waren, vorwiegend alle in diesem Land geblieben. Neue Gesetze wurden geschrieben und einige alte beibehalten. Auch Hitlers Reichsschulgesetz von 1938 wurde fast eins zu eins übernommen und gilt bis heute.
Abschließend fügte ich hinzu, dass wohl überall auf der Welt Menschen immer wieder versuchen anderen Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben, mal mehr, mal weniger.
Emma schaute mich noch ein Mal an und sagte etwas, dass ich nie vergessen werde:
„Mama, gut, dass wir frei sind zu gehen!“
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2 thoughts on “Unschooling Memories #8 – Maths & History

  1. Hallo Amanda!
    Danke für Deinen Kommentar. Die Dramatik der Schulpflicht ergibt sich automatisch aus der Tatsache, dass meine Kinder nicht zur Schule gehen wollen und das hier verboten ist. Mir ist bewusst, dass unzählige unterschiedliche Schularten gibt und dass Eltern und Kinder wählen können. Wahre Freiheit ist es, wenn Kinder und Eltern auch zwischen Schule und Home-/Unschooling wählen können. Alles andere ist Zwang und Freiheitsberaubung, egal aus welchen noblen Gründen man meint allen Kindern eine „gleiche“ Beschulung zukommen lassen zu müssen. Dass man in der Schule auch was lernt, stimmt. Und das passiert durch eigenes Handeln, nicht weil irgendjemand mir irgendwelche Aufgaben stellt, die mit meinem Leben und meinen derzeitigen Lerninteressen so gar nichts zu tun haben.
    Ich würde meinen Kindern die Schule zudem nie verweigern. Sie wollen nur nicht hin und lernen bereits seit ihrer Geburt täglich Unmengen an Sachen. Sie wissen das auch.
    Ein beschultes Kind fragte mich ein Mal erstaunt, warum Emma nicht in den Kindergarten geht. Sie könne ja sonst nichts lernen!
    Genau DAS ist die Botschaft der Beschulung: Ohne Schule würde man nichts lernen. Ganz fataler Trugschluss!

    Liebe Grüße,
    Lucia

  2. also ich finde das Konzept unshooling gut! Ich glaube, dass Kinder bei guter Anleitung keine Schule brauchen, schon gar nicht um glücklich zu werden. Was ich irgendwie nicht so gut finde ist eine eher dramatische Schilderung von Schulen. Ich verstehe es nicht so richtig. Schulpflicht hat viele Schattenseiten, ich denke aber dass sie notwendig ist, um allen Kindern das Recht auf Bildung zukommen zu lassen. Und tatsächlich lernt man auch an Schulen so einiges. Warum stellst du die Schulpflicht gegenüber den Kindern so dar? Ich verstehe es natürlich schon, es wird zu Repressalien führen und vielleicht müsst ihr sogar eure Heimat verlassen. das ist schlimm. eine Bekannt von mir hat das getan, sit mit den Kindern ausgewandert. Vielleicht gibt es in dem Land dann aber Repressalien gegen Christen, Juden Moslems oder Weiße oder Schwarze oder oder. Immerhin gibt es das Recht auf freie Schulwahl. Ich wünsche Euch, dass alles gut ausgeht und es Wege gibt, ein Leben hier und unshooling zu vereinen. Ich würde mir das wünshcen. Schöner wäre ein Recht auf Bildung und keine Schulpflicht.
    mandy

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